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Each-Way-Wetten im Golf: So funktioniert die zweigeteilte Wette wirklich

Digitales Anzeigetafel-Leaderboard eines PGA-Tour-Turniers mit den Top-10-Platzierungen am Finalsonntag

Ladevorgang...

Warum Each-Way bei Golf die wichtigste Wettart überhaupt ist

Vor neun Jahren habe ich meine erste vernünftige Golf-Wette platziert — ausgerechnet eine Each-Way auf Sergio García bei den Masters 2017. Er hat gewonnen, und ich hatte zum ersten Mal verstanden, warum Profis bei Golf-Outrights fast nie eine reine Siegwette spielen. Die Mathematik dahinter zwingt einen geradezu zur Each-Way.

Bei einem typischen Major-Turnier liegt die implizite Wahrscheinlichkeit selbst für den Top-Favoriten bei 6 bis 9 Prozent — das heißt, selbst der weltbeste Spieler gewinnt ein Major nur etwa einmal in elf bis siebzehn Anläufen. Bei 156 Startern auf der PGA Tour bedeutet eine Siegwette: 155 Möglichkeiten zu verlieren, eine zu gewinnen. Each-Way teilt diese Wette in zwei Hälften: einen Anteil auf den Sieg, einen auf eine Top-Platzierung. Wer Each-Way nicht versteht, wettet bei Golf gegen die Wahrscheinlichkeitsverteilung.

In diesem Artikel zerlege ich das Konstrukt komplett: wie Quotenteiler entstehen, wo der Place-Anteil herkommt, und wann eine Each-Way besser ist als eine reine Outright. Mit Rechenbeispielen, die Sie direkt auf Ihren nächsten Wettschein anwenden können. Wer tiefer in die reine Outright-Strategie bei Golf einsteigen will, findet dort die ergänzende Sicht ohne Place-Teil.

Wie funktioniert Each-Way

Eine Each-Way-Wette ist genaugenommen zwei Wetten in einer. Die Hälfte des Einsatzes geht auf den Turniersieg, die andere Hälfte auf eine Top-Platzierung. Setze ich 20 Euro Each-Way, sind das in Wahrheit 10 Euro Siegwette plus 10 Euro Platzwette. Manche Anbieter schreiben das auf dem Wettschein als „20 EW“, andere als „10 EW“ — bei Letzterem ist der Gesamteinsatz dann 20 Euro. Vor der ersten Wette beim neuen Anbieter prüfe ich immer, wie er die Notation interpretiert.

Der entscheidende Punkt: Die beiden Hälften werden unabhängig ausgewertet. Mein Spieler gewinnt das Turnier — beide Hälften greifen, ich kassiere zur vollen Quote plus zur reduzierten Place-Quote. Mein Spieler wird Fünfter — der Siegteil verfällt, der Place-Teil zahlt aus. Mein Spieler wird Sechzigster — beide Teile verloren.

Das Schöne an dieser Struktur: Sie wird genau dort relevant, wo die Volatilität am höchsten ist. Bei einem Sport, in dem 60 Prozent der Outright-Quoten vor dem Turnier zweistellig sind, gibt der Place-Teil eine Sicherheitsleine. Ich habe Saisons gesehen, in denen ich kein einziges Outright getroffen habe, aber durch Each-Way-Place-Auszahlungen trotzdem positiv geschlossen habe. Das ist kein Glück — das ist die mathematische Logik der Wettart, die genau das ermöglicht.

Place-Anteil und Quotenteiler

Hier wird es technisch, aber ohne dieses Stück Mathematik fliegt jede Each-Way-Wette blind. Der Quotenteiler bestimmt, wie viel der ursprünglichen Quote auf den Place-Teil ausgezahlt wird. Bei Golf sind drei Werte üblich: ein Viertel, ein Fünftel und ein Sechstel.

Beispiel: Mein Spieler hat eine Outright-Quote von 21,00 und der Anbieter zahlt Each-Way mit „1/4 Quotenteiler“ auf die Top 5. Trifft mein Spieler eine Top-5-Platzierung, wird der Place-Teil mit 21,00 ÷ 4 = 5,25 ausgezahlt — minus 1 für die Differenz zwischen Brutto- und Nettoquote, was effektiv heißt: ich bekomme das 5,25-fache zurück, was einem Place-Gewinn von 4,25 pro Einsatz-Euro entspricht. Die exakte Formel: Place-Quote = (Original − 1) ÷ Quotenteiler + 1.

Welcher Quotenteiler greift, hängt von zwei Variablen ab: Feldgröße und Turnierart. Bei Majors mit 150+ Startern zahlen die meisten Anbieter 1/4 auf die Top 5 oder 1/5 auf die Top 6 bis 8. Bei kleineren Feldern auf der DP World Tour gibt es teils 1/5 nur auf die Top 4. Bei Sonderevents mit 30 Startern wie der Tour Championship verschwindet Each-Way fast komplett oder schrumpft auf Top 3 bei 1/3 — dort ist die Outright-Hürde so niedrig, dass der Place-Bonus weniger Wert hat.

Wer Each-Way ohne Quotenteiler-Check spielt, verschenkt regelmäßig 30 bis 40 Prozent erwarteten Wert. Zwei Anbieter, identische Outright-Quote, unterschiedliche Each-Way-Bedingungen: einer zahlt 1/4 auf Top 5, der andere 1/5 auf Top 5. Bei einer 21er-Quote heißt das im Place-Fall: 6,00 vs 5,00. Das ist kein Detail — das sind 17 Prozent Renditeunterschied pro Treffer.

Each-Way-Rechnung am konkreten Beispiel

Theorie ist hilfreich, aber zum Begreifen muss ich Each-Way einmal komplett durchrechnen. Nehmen wir die PGA Championship — das Major mit einem Preisgeld von 19 Millionen US-Dollar im Jahr 2026, Sieger Scottie Scheffler kassierte 3,42 Millionen. Stellen wir uns vor, ich hätte vor dem Turnier eine Each-Way auf einen Spieler mit einer Outright-Quote von 26,00 abgeschlossen. Place-Bedingung: 1/5 auf die Top 6.

Einsatz: 10 Euro Each-Way, also effektiv 5 Euro Sieg plus 5 Euro Place. Gesamtkosten 10 Euro plus Wettsteuer von 5,3 Prozent — kommt auf den Wettschein, je nach Anbieter trägt die der Wetter selbst oder der Buchmacher.

Szenario A: Mein Spieler gewinnt. Der Siegteil zahlt 5 × 26,00 = 130 Euro. Der Place-Teil zahlt nach der Formel (26 − 1) ÷ 5 + 1 = 6,00, also 5 × 6,00 = 30 Euro. Gesamtauszahlung 160 Euro, Gewinn 150 Euro.

Szenario B: Mein Spieler wird Vierter. Der Siegteil verfällt, der Place-Teil zahlt 30 Euro. Gewinn 20 Euro.

Szenario C: Mein Spieler wird Achter. Beide Teile verfallen. Verlust 10 Euro.

Was bedeutet das für die Schätzung? Mein Spieler braucht in dieser Konstellation entweder einen Sieg oder eine Top-6-Platzierung, damit die Wette aufgeht. Ich brauche eine eigene Wahrscheinlichkeitsschätzung für beide Ereignisse. Wenn ich glaube, dass die Top-6-Chance bei 25 Prozent liegt und die Siegchance bei 5 Prozent, dann ist der Erwartungswert positiv: 0,05 × 130 + 0,25 × 30 = 14,00 Euro im Schnitt zurück bei 10 Euro Einsatz. Das ist eine Edge von 40 Prozent — bevor man sie an einem Bonus oder einer Steuer abschmilzt.

Wann sich Each-Way lohnt — und wann nicht

Nicht jede Each-Way ist eine gute Idee. Drei Konstellationen, in denen ich konsequent Each-Way spiele: Outright-Quoten zwischen 15,00 und 50,00 in tiefen Feldern, Spieler mit hohem Floor und niedrigerer Ceiling (gute Cut-Quote, selten ganz vorne), und Turniere mit großzügigem Place-Anteil wie 1/4 auf Top 5 oder 1/5 auf Top 6.

Wo Each-Way schwach ist: bei Top-Favoriten unter Quote 10,00 — der Place-Teil wird so niedrig, dass die Hürde „Top 5“ kaum bezahlt wird. Bei Long-Shots über Quote 100,00 — der Place-Anteil bringt zwar nominal viel, aber die Place-Wahrscheinlichkeit ist immer noch so gering, dass eine reine Siegwette mit höherer Einzelquote oft den besseren Erwartungswert hat. Und bei kleinen Feldern unter 50 Startern, wo der Quotenteiler typischerweise auf 1/3 oder 1/4 reduziert wird und nur Top 3 zählt.

Ein Punkt, den viele Anfänger übersehen: Each-Way ist keine Versicherung. Wer eine Each-Way spielt, weil er den Sieg nicht traut, wettet psychologisch falsch herum. Die richtige Frage ist nicht „Was ist, wenn er nicht gewinnt“, sondern „Ist mein Edge auf den Place-Teil mathematisch positiv“. Wenn nein, ist Each-Way teurer Selbstbetrug. Wenn ja, ist sie das beste Werkzeug, das die Golfwette zu bieten hat.

Bei welchen Plätzen lohnt sich eine Each-Way-Wette gegenüber einer reinen Siegwette?

In tiefen Feldern mit 100 plus Startern und großzügigem Quotenteiler — also auf den Majors, beim Players Championship und auf großen DP-World-Tour-Events. Bei Quoten zwischen 15 und 50 ist Each-Way fast immer rechnerisch im Vorteil, weil die Top-Platzierungschance deutlich höher als die Siegchance ist.

Was passiert mit dem Place-Teil meiner Each-Way, wenn mein Spieler genau auf der Grenzplatzierung landet?

Greift der Place-Teil, gilt die Dead-Heat-Regel: Die Auszahlung wird durch die Anzahl der Spieler geteilt, die sich denselben Platz teilen. Werden drei Spieler punktgleich Fünfter und die Bedingung war Top 5, bekomme ich ein Drittel der eigentlichen Place-Auszahlung pro Einsatz-Euro.

Werden die Each-Way-Konditionen bei allen Turnieren gleich angeboten?

Nein — Quotenteiler und Place-Anteil schwanken pro Turnier, pro Anbieter und sogar pro Spielerprofil. Die Each-Way-Bedingungen stehen immer direkt unter der Outright-Quote auf dem Wettschein. Vor jeder Each-Way prüfe ich sie zweimal, weil schon der Unterschied zwischen 1/4 und 1/5 die Rendite um zweistellige Prozentsätze verschiebt.