Cut-Wetten bei Golf-Turnieren: Made Cut, Missed Cut, MC/MC
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Warum die Cut-Line der unterschätzteste Wettmarkt der Saison ist
Bei der Players Championship 2023 saß ich am Freitagabend vor dem Live-Leaderboard und sah, wie sich die Cut-Line minütlich verschob. Zwei Schläge unter Par, drei Schläge unter Par, wieder zwei Schläge unter — innerhalb von zwei Stunden hatten sich drei Made-Cut-Wetten von „fast verloren“ zu „gewonnen“ verwandelt. Genau diese Volatilität macht Cut-Märkte für Wetter mit Geduld so attraktiv.
Cut-Wetten — Made Cut, Missed Cut und die Spezialform „MC/MC“ — sind eigene Märkte, die parallel zum Outright laufen. Sie zahlen aus, basierend darauf, ob mein Spieler die ersten 36 Löcher übersteht und in die letzten beiden Runden mitnimmt. Anders als Outrights, die nur in 5 bis 8 Prozent der Fälle treffen, haben Cut-Wetten Trefferquoten zwischen 30 und 70 Prozent — je nach Anbieter und Spielerprofil.
In diesem Artikel zerlege ich die drei wichtigsten Cut-Marktformen, die spezifischen Regelunterschiede zwischen PGA Tour und DP World Tour und die Frage, wo realer Value liegt. Wer parallel die enge Verwandtschaft zwischen Cut-Logik und Head-to-Head-Stornierung verstehen will, findet die Details in meinem Stück zu Head-to-Head-Wetten bei Golf.
Wie der Cut bei Golf-Turnieren funktioniert
Der Cut ist die Hürde nach den ersten beiden Turnierrunden. Nur Spieler, die diese Hürde überspringen, dürfen am Wochenende weiterspielen. Die exakte Regel variiert je nach Tour, aber die Grundlogik ist universell.
Auf der PGA Tour gilt seit der Saison 2023 die „Top 65 plus Ties“-Regel. Nach 36 Löchern werden die 65 besten Spieler plus alle, die auf demselben Schlagstand wie der 65. liegen, ins Wochenende übernommen. Effektiv bedeutet das oft 70 bis 78 Spieler nach Cut. Bei Major-Turnieren gelten leicht abweichende Regeln: Bei den Masters und der PGA Championship ist es „Top 50 plus Ties“, bei der US Open „Top 60 plus Ties“, bei der Open Championship „Top 70 plus Ties“.
Auf der DP World Tour ist die Standardregel „Top 65 plus Ties“, aber mit Variationen pro Event. Bei manchen Veranstaltungen wird zusätzlich eine „10-Schlag-Regel“ angewandt: Alle Spieler innerhalb von zehn Schlägen zum Leader sind ebenfalls dabei.
Was praktisch zählt: Die Cut-Line — also der Schlagstand, bei dem der Cut greift — ist Turnier-spezifisch und schwankt erheblich. Bei einem windigen Tag in St Andrews liegt sie eventuell bei +6, bei einem ruhigen Tag in TPC Sawgrass bei -2. Diese Volatilität ist die Quelle des gesamten Value im Cut-Markt.
Made-Cut-Wette im Detail
Eine Made-Cut-Wette gewinnt, wenn mein Spieler den Cut schafft. Egal, ob er am Sonntag Dritter oder Sechzigster wird — sobald er am Wochenende durchspielt, zahlt der Markt aus.
Welche Quoten ich erwarten kann: Bei einem Top-15-Weltrang-Spieler liegen Made-Cut-Quoten typischerweise zwischen 1,15 und 1,30. Bei einem Tour-Durchschnittsspieler 1,45 bis 1,70. Bei einem Mid-Tier-Spieler mit gemischter Form 1,80 bis 2,40. Bei einem klaren Underdog 3,00 bis 6,00. Quoten über 6,00 sind selten — der Anbieter erwartet bei diesen Spielern eine Missed-Cut-Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent.
Was bei der Spieler-Auswahl zählt: Made-Cut-Quoten korrelieren extrem stark mit SG: Approach und SG: Tee-to-Green über die letzten 24 Runden. Scottie Scheffler etwa führte 2026 die Statistiken zu SG: Approach, SG: Tee-to-Green und Greens in Regulation an — das sind die direkten Vorstufen einer hohen Made-Cut-Wahrscheinlichkeit. Wer Greens hit und keine Doppelbogeys riskiert, schafft den Cut systematisch.
Wo der Buchmacher oft falsch liegt: bei Spielern mit hoher Form-Volatilität. Ein Tour-Pro, der zwei seiner letzten drei Turniere verpasst hat, wird vom Markt oft mit Made-Cut-Quote 1,90 oder 2,00 gepreist — auch wenn seine SG-Daten der gesamten Saison auf eine echte Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent (Quote 1,54) hindeuten. Recency Bias trifft Buchmacher selten, aber bei Cut-Märkten teilweise schon. Solche Lücken sind die besten Made-Cut-Picks.
Missed-Cut-Wette und die MC/MC-Sonderform
Die Missed-Cut-Wette ist die Spiegelseite: Ich wette darauf, dass mein Spieler den Cut nicht schafft. Quoten sind höher — typischerweise zwischen 2,20 und 4,50 für Mid-Tier-Spieler. Der Markt ist dünner als der Made-Cut-Markt, weil weniger Public Money darauf fließt.
Wann ich Missed Cut spiele: bei Spielern mit klar verschlechterter Form, problematischem Kursprofil oder verletzungsbedingten Auffälligkeiten. Ein Beispiel: Ein Spieler kommt nach drei Wochen Verletzungspause zurück, hat in der Vorbereitungswoche keine Runde unter 73 gespielt, und sein Kursprofil passt schlecht zum kommenden Setup. Buchmacher-Made-Cut-Quote 1,80, Missed-Cut-Quote 2,00. Wenn meine eigene Schätzung sagt, dass die Missed-Cut-Wahrscheinlichkeit bei 60 Prozent liegt, ist die Wette mit deutlichem Edge belegt.
MC/MC ist die Sonderform: eine Wette darauf, dass zwei vom Anbieter benannte Spieler beide den Cut nicht schaffen. Quoten sind hier nicht das Produkt der beiden Einzelquoten, sondern oft niedriger, weil die Buchmacher Korrelationen zwischen den Spielern berücksichtigen. Wenn beide Spieler ähnliche Schwächen haben — etwa schlechte Putting-Form auf schnellen Greens —, kann die echte Wahrscheinlichkeit der gemeinsamen Missed Cut höher sein als die mathematische Multiplikation der Einzelwahrscheinlichkeiten suggeriert.
MC/MC-Specials sind in Deutschland nicht bei jedem Anbieter verfügbar. Wer sie spielt, sollte die Korrelation zwischen den beiden Spielern bewusst analysieren — nicht zwei zufällig vom Buchmacher gepaarte Underdogs setzen, sondern zwei Spieler mit ähnlichem Schwächeprofil im kommenden Kurs-Setup.
Der Cut-Line-Wettmarkt
Manche Anbieter bieten eine eigene Cut-Line-Wette an: die Wette auf den exakten Schlagstand, bei dem der Cut fällt. Üblich sind drei bis fünf Quotenstufen, etwa „Cut bei -2 oder besser“, „Cut bei -1“, „Cut bei Even“, „Cut bei +1“, „Cut bei +2 oder schlechter“.
Was diesen Markt interessant macht: Er ist datengetrieben kalkulierbar. Die Cut-Line ist eine Funktion aus Kurseigenschaften, Wetterprognose und Feldstärke. Bei einer historischen Cut-Line von durchschnittlich +1 in einem Major mit erwartetem ruhigen Wetter kann ich eine Wette auf „Cut bei Even oder besser“ zu Quote 3,50 oft als Value identifizieren — implizite Wahrscheinlichkeit 28,5 Prozent, echte Wahrscheinlichkeit basierend auf Kurshistorie und aktuellen Bedingungen oft 35 bis 45 Prozent.
Wo dieser Markt schwach ist: bei plötzlichen Wetterveränderungen. Eine erwartete ruhige Woche kann durch ein verbleibendes Gewitter am Freitagnachmittag eine Cut-Line um zwei bis drei Schläge verschieben — und die Wette ist verloren. Wer Cut-Line spielt, braucht aktuelle Wetterprognosen bis Mittwochabend und idealerweise eine eigene Datenbank der historischen Cut-Lines pro Turnier.
Was den Cut-Line-Markt vom Made-Cut-Markt unterscheidet: Ich wette nicht auf einen bestimmten Spieler, sondern auf eine Turnier-übergreifende Variable. Das macht die Wette unabhängig von individuellen Spieler-Ausfällen oder Verletzungen — eine seltene Eigenschaft im Golf-Markt.
